Auf der Alten MainbrĂŒcke, v.l.n.r.: Pfarrer Augustin Parambakathu, Susanne Scheiner, Gerhard Albert, Dr. Syed Ibrahim, Georg Sperrle, Silke Birklein, Amelie DĂŒrr, Christoph Vogel
BrĂŒcken zwischen Kerala und WĂŒrzburg: fĂŒr die Zukunft der Altenpflege
Mit dem Besuch von Dr. Syed Ibrahim, Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland fĂŒr Kerala und Leiter des Goethe-Instituts in Trivandrum, kam eine beeindruckende Persönlichkeit in das Caritashaus in der Franziskanergasse in WĂŒrzburg.
Seit Jahrzehnten baut Dr. Syed Ibrahim BrĂŒcken zwischen Indien und Deutschland, unter anderem durch seine Rolle als Honorarkonsul im sĂŒdlichen Bundesstaat Kerala in Indien. Auch seine Arbeit am weltweit tĂ€tigen Goethe-Institut der Bundesrepublik Deutschland trĂ€gt dazu bei. Dieses bietet Sprachkurse an, entwickelt PrĂŒfungen (Goethe-Zertifikate) und fördert den internationalen Kulturaustausch, Wissenschaft sowie den gesellschaftlichen Dialog.
Anlass seines Besuchs bei den Caritas-Einrichtungen (CEG) war unter anderem die wachsende deutsch-indische Zusammenarbeit in der Ausbildung von PflegefachkrĂ€ften durch die CEG und die Theresian Academy. Die CEG ist hierbei auf der Suche nach Nachwuchs fĂŒr die Altenpflege, die Theresian Academy bietet jungen Menschen aus Indien Sprachunterricht, die nach Deutschland kommen möchten. Der persönliche Austausch mit den Auszubildenden, die diesen Weg bereits mit der CEG gegangen sind, stand im Zentrum des Treffens.

Internationale Zusammenarbeit: Gemeinsam gegen den FachkrÀftemangel in Deutschland
Der Hintergrund des Treffens ist ernst: Der FachkrĂ€ftemangel in der Pflege stellt Deutschland schon heute vor groĂe Herausforderungen. Und er wird sich in den kommenden Jahrzehnten weiter verschĂ€rfen. âAllein in Bayern werden in den nĂ€chsten 30 Jahren rund 6.500 zusĂ€tzliche PflegeplĂ€tze benötigt, der Bedarf an qualifiziertem Personal ist noch deutlich höherâ, wie Georg Sperrle, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der CEG erklĂ€rt. Internationales Recruiting ist deshalb ein zentraler Baustein der Strategie der Caritas-Einrichtungen, um auch in Zukunft eine gute und wĂŒrdige Pflege im Alter sicherzustellen.

Eine SchlĂŒsselrolle spielt dabei die Kooperation mit der Theresian Academy. Intensive Deutschkurse bereiten sie an der Akademie auf die PrĂŒfung des Goethe-Instituts vor, durch welche das B2-Sprachzertifikat erlangt wird, eine wichtige Voraussetzung fĂŒr Ausbildung und Integration in Deutschland. Die Zusammenarbeit lĂ€uft so erfolgreich, dass bereits die vierte Gruppe angehender FachkrĂ€fte (insgesamt ĂŒber 35 Personen) ĂŒber diesen Weg zur CEG kommen wird. Den Anfang machten die ersten Auszubildenden im September 2024. Als Vermittler und Vertrauensperson begleitet Pfarrer Augustin Parambakathu den Prozess auf beiden Seiten. Der Besuch von Dr. Syed Ibrahim diente auch dazu, diese Beziehungen weiter zu vertiefen und etwas zurĂŒckzugeben. Denn kennengelernt hatten sich Sperrle, Dr. Syed Ibrahim und weitere Kolleginnen der CEG bereits in Indien, bei der Eröffnung eines zweiten Standorts der Sprachschule Theresian Academy in Yordhanapuram Ende 2025. Nach der Ankunft im Caritashaus fĂŒhrte der Weg ĂŒber die Alte MainbrĂŒcke zu einem gemeinsamen Essen mit intensiven GesprĂ€chen. AnschlieĂend besuchten die GĂ€ste den Gedenkraum Grafeneckart, eine kleine Ausstellung ĂŒber die Zerstörung WĂŒrzburgs im Zweiten Weltkrieg, die als Blick in die Vergangenheit der Stadt diente, bevor es zum inhaltlichen Kern des Treffens ging.


Internationale Zusammenarbeit: Gemeinsam gegen den FachkrÀftemangel in Deutschland
Bei dem direkten GesprÀch mit den indischen Auszubildenden der CEG konnte Dr. Syed Ibrahim aus erster Hand erfahren, wie es ihnen in Deutschland geht: Was war am Anfang schwierig? Was hat sich verÀndert? Wo gibt es noch Verbesserungsbedarf?


Die RĂŒckmeldungen waren offen und ehrlich. âAls ich in Deutschland angekommen bin, dachte ich zuerst: Oh Gott, eine neue Weltâ, berichtet Ronamol, eine der Auszubildenden. Alles sei neu gewesen: das Wetter, die Kultur, das Essen, die Menschen. Besonders die Sprache habe zu Beginn groĂe Anstrengung gekostet. âDie Ausbildung ist anspruchsvoll, aber gut, Theorie und Praxis sind eng verbunden. Aber die Sprache war am Anfang die gröĂte Herausforderung.â Hinzu kam bei einigen auch das Heimweh.


Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung: Alle Auszubildenden sprechen heute (nach nicht einmal zwei Jahren) gutes Deutsch. Sie berichten, es habe sich im ersten Monat bereits viel getan und die anfĂ€nglichen Schwierigkeiten wurden immer kleiner. Was auch dabei hilft: das gemeinsame Leben in einer Wohngemeinschaft. âAuch in unserer Freizeit sprechen wir Deutsch miteinander.â, erzĂ€hlen sie. Freundschaften mit Kolleg:innen in den Senioreneinrichtungen, Kontakte in der Berufsschule und ein gutes VerhĂ€ltnis zu Nachbar:innen und Bewohner:innen sind mittlerweile entstanden. âAm Anfang war es schwer, die Senioren gut zu verstehen, aber jetzt kommen wir gut zurecht. Sie sprechen mit uns langsam, und wir verstehen uns sehr gut.â
WertschĂ€tzung und enge Begleitung als SchlĂŒssel
FĂŒr Sperrle war eine enge Begleitung der Auszubildenen von Anfang an entscheidend. entscheidend. Und: Die internationale Rekrutierung erfordert intensive Vorbereitung, organisatorisch, fachlich und menschlich. Susanne Scheiner (Referentin fĂŒr Leben im Alter, CEG) und Amelie DĂŒrr (Stabsstelle Personalmarketing und Entwicklung) begleiten die Auszubildenden bereits seit dem VorstellungsgesprĂ€ch, weit vor der Einreise nach Deutschland. Scheiner betont, wie wichtig es sei, niemanden allein zu lassen: von der Ankunft am Flughafen ĂŒber BehördengĂ€nge, StadtfĂŒhrungen, gemeinsame AktivitĂ€ten bis hin zur tĂ€glichen Begleitung im Arbeitsalltag. Dass alle Auszubildenden auch nach zwei Jahren noch dabei sind und niemand abgebrochen hat, spricht fĂŒr dieses Konzept.


Auch Vertreter:innen aus Politik und Sozialarbeit unterstrichen die Bedeutung des Projekts. Die Sozialreferentin der Stadt WĂŒrzburg, Eva von Vietinghoff-Scheel verwies auf die demografische Entwicklung: âDeutschland wird Ă€lter und die Zahlen sind erschreckend.â Umso wichtiger sei es, Menschen willkommen zu heiĂen, die sich bewusst fĂŒr eine Ausbildung und ein Leben in Deutschland entscheiden.
Gerhard Albert, GrĂŒnder des Vereins Khublei â Hilfe fĂŒr Nordost-Indien und ebenfalls Kooperationspartner der CEG im Bereich internationales Recruiting bedankte sich bei den Auszubildenden fĂŒr ihren Mut, nach Deutschland auszuwandern. Sonja Schwab (Abteilungsleitung Soziale Dienste, Caritasverband WĂŒrzburg) und Silke Birklein (Fachberatung stationĂ€re Altenhilfe, Caritasverband WĂŒrzburg) betonten die besonders enge Zusammenarbeit der CEG und der Caritas im Bistum WĂŒrzburg.

Werte, Erfahrungen und Mut fĂŒr die Pflege der Zukunft
Trotz seiner hohen internationalen Position und Auszeichnungen wie dem Bundesverdienstkreuz begegnete Dr. Syed Ibrahim allen anwesenden auf Augenhöhe. âBitte nennen Sie mich einfach Syedâ, sagte er lĂ€chelnd. âDass ich einen Doktortitel habe, weiĂ ich selbst â das reicht.â
In seinen BeitrĂ€gen sprach er ĂŒber eigene Erfahrungen mit dem FachkrĂ€ftemangel, ĂŒber seine Arbeit im Rahmen internationaler Abkommen und ĂŒber die Rolle des Goethe-Instituts. Dabei machte er deutlich, dass Sprache mehr ist als ein Werkzeug: âDeutsch lernen heiĂt nicht nur, die Sprache zu lernen â es heiĂt auch, die Kultur kennenzulernen.â Die Sprachzertifikate des Goethe-Instituts, so Ibrahim, âschaffen eine BrĂŒcke nach Deutschlandâ.
Er ermutigte die Auszubildenden eindringlich: âSie leisten einen wichtigen Beitrag. Hören Sie nie auf zu lernen. Auf Deutsch wĂŒrde man sagen: Man lernt nie aus.â

Ein starkes Zeichen fĂŒr die Zukunft
Am Ende des Treffens zog Dr. Syed Ibrahim ein positives Fazit. Er zeigte sich beeindruckt vom Sprachniveau, vom Engagement der Auszubildenden und vom Netzwerk aus CEG, Caritas und Kirche. Sperrle richtete sich noch einmal an die Auszubildenen: âIhr seid die Ersten, die in dieser Stadt diesen Weg gegangen sind und damit auch den Weg fĂŒr andere geebnet haben und ebnen.â
Der Besuch machte deutlich: Gute Pflege in der Zukunft, gelingende Integration und starke deutsch-indische Beziehungen entstehen dort, wo Menschen bereit sind, BrĂŒcken zu bauen und gemeinsam darĂŒber zu gehen.

Text und Bilder: Franziska Sommer I CEG